gtag.js: Die geniale Zukunft von Google Analytics (und wie du dich darauf vorbereiten kannst)11 min Lesezeit

Michaela Linhart Leave a Comment

Ein gedrücktes Seufzen ging mir über die Lippen, als ich vor ein paar Tagen in der Digital- und Webanalyse-Helden Facebook Gruppe von Maik Bruns über gtag.js (Global Site Tag) gelesen habe – der früher oder später analytics.js (Universal Analytics) ersetzen wird: Schon wieder migrieren?!! Ja und nein: Erfahre hier über die geniale Zukunft von Google Analytics und wie du dich perfekt auf sie vorbereiten kannst.

Rückblick auf analytic.js

So lange ist es noch gar nicht her, als die Google Analytics Welt von ga.js auf analytics.js umgestiegen ist: 2013, also 4 Jahre. Für die digitale Welt und so mancher Internet Standards ein halbes Jahrhundert: So wurde XML abgelöst und durch JSON-Objekte ersetzt, was einen nachhaltigen Einfluss auf Tag Management Systeme hatte…

Der Aufwand umzusteigen war damals enorm: Gerade auf Agenturseite! Denn alle Kunden mussten nach und nach auf analytics.js umgestellt werden: Und je nach Unternehmensgröße und Google Analytics Implementierung war das extrem aufwendig und hat einige Ressourcen in Anspruch genommen.

Und jetzt schon wieder umsteigen? Auf gtag.js? Wo es mit Sicherheit da draußen noch Websites gibt die ga.js (oder sogar urchin.js) verwenden…

Ausblick auf gtag.js

Ja, auf jeden Fall! Denn wir wollen ja nicht stehen bleiben, sondern einen riesengroßen Schritt in Richtung Zukunft machen. Und da gehört gtag.js dazu!

Im September 2017 hat Google die neue Javascript Bibliothek gtag.js (Global Site Tag) zum neuen Tracking Standard für Google Analytics und Google AdWords erklärt. Seitdem sieht der native Tracking Code im Administrations Interface der beiden Tools so aus:

gtag.js Basis Tracking Code

Screenshot: gtag.js Basis Tracking Code

Anders als analytics.js, ist gtag.js keine reine Google Analytics Library, sondern unterstützt und ersetzt gleichzeitig das AdWords Conversion Tracking (conversion.js).

In naher Zukunft wird gtag.js vermutlich auch die Bibliothek für den Google Tag Manager (gtm.js), Firebase (firebase.js), Doubleclick (doubleclick.js) und alle anderen Google Produkte sein.

Google setzt also auf die technische Vereinheitlichung all seiner Google Produkte: Somit wird zukünftig nicht nur der Einbau der GA Tracking Codes erheblich erleichtert sondern es werden auch zahlreiche technische Fehlerquellen minimiert.

gtag.js: Das ändert sich in naher Zukunft

Auf den ersten Blick wirkt der Umstieg auf gtag.js relativ simpel: Wer Google Analytics bisher nativ implementiert hat (also direkt über den Quellcode der Website und nicht via Tag Management Tool), entfernt den alten analytics.js Code und ersetzt ihn gegen gtag.js.

Nativ implementiert: analytics.js raus

<!-- Google Analytics -->
<script>
(function(i,s,o,g,r,a,m){i['GoogleAnalyticsObject']=r;i[r]=i[r]||function(){
(i[r].q=i[r].q||[]).push(arguments)},i[r].l=1*new Date();a=s.createElement(o),
m=s.getElementsByTagName(o)[0];a.async=1;a.src=g;m.parentNode.insertBefore(a,m)
})(window,document,'script','https://www.google-analytics.com/analytics.js','ga');

ga('create', 'UA-XXXXXXXX-X', 'auto');
ga('send', 'pageview');
</script>
<!-- End Google Analytics -->

Nativ implementiert: gtag.js rein

<!-- Global site tag (gtag.js) -->
<script async src="https://www.googletagmanager.com/gtag/js?id=UA-XXXXXXXX-X"></script>
<script>
 window.dataLayer = window.dataLayer || [];
 function gtag(){dataLayer.push(arguments);}
 gtag('js', new Date());

gtag('config', 'UA-XXXXXXXX-X');
</script>

Das wars! Vorerst bleibt alles andere gleich, denn gtag.js ruft im Hintergrund analytics.js auf und sendet die Daten wie gewohnt und bisher an Google Analytics.

analytics.js und alle anderen Google Produkt-Libraries sind also integraler Bestandteil von gtag.js und das aus zwei guten Gründen: Einerseits wird gtag.js dadurch nicht unnötig aufgeblasen und andererseits damit die Kompatibilität mit bestehenden Tracking Methoden bestehen bleibt. Alles andere wäre aus Google Sicht reine Selbstzerstörung…

Und wie sieht es mit dem GTM aus? Wer bisher seine GA Tracking Codes mit dem Google Tag Manager implementiert hat, muss sogar noch weniger tun: Hier wird Google vermutlich die Umstellung irgendwann ganz von alleine vornehmen…

gtag.js: Das ändert sich in entfernter Zukunft

In entfernter Zukunft sieht die Welt jedoch ganz anders aus: Denn natürlich ändert sich mit der neuen JS Library auch die Art der zukünftigen Datenerfassung.

So werden statt bisher Funktions-Parameter, JSON-Objekte an GA übergebe: Eigentlich so, wie wir es bereits von dataLayer-push gewöhnt sind. Der große Vorteil: Statt einer beschränkten Parameter-Anzahl,  können im Prinzip beliebig viele Objekt-Properties übergeben werden. Das macht flexibel!

Ein Beispiel aus der Google Analytics Doku:

Beispiel Natives Tracking Alt vs Neu

Screenshot: Beispiel Natives Tracking Alt vs Neu für Google Analytics

Außerdem gibt es noch zwei weitere bahnbrechende Veränderungen:

Zum einen ist dass, das bisherige Ereignis Tracking, dass völlig über den Haufen geworfen wird: Google stellt nämlich nun eine Liste mit empfohlenen Events und dazu passenden Event-Parametern zur Verfügung.

Also auch hier nimmt Google den User an die Hand und verhindert wild zusammengewürfelte und unterschiedliche Schreibweisen durch Vereinheitlichung. Zwar lassen sich Events auch weiterhin wie bisher tracken, aber dadurch werden vermutlich viele neue oder erweiterte Standardreports in GA nicht befüllt….

Die zweite Neuerung ist da schon erfreulicher und ein riesengroßer, mega Vorteil: Mit dem nativen gtag.js lassen sich Google Analytics Properties in Gruppen zusammenfassen.

Das bedeutet, dass ein Hit (Pageview, Event, Transaktion) automatisch an mehrere GA Properties gesendet werden kann – ohne dass dafür alles doppelt und dreifach implementiert werden muss. Und nicht nur zu mehreren GA Properties, sondern sogar automatisch zu verschiedenen Google Produkten z.B. GA und Firebase. Und das ist wirklich awesome… Technische Details dazu erfährst du hier. 

Aber ich denke, da kommt noch mehr…

Wird Google Analytics technisch gesehen zu Firebase?

Das alles erinnert mich stark an den Launch von Firebase Analytics 2016: Firebase hat das App Tracking in Google Analytics vollkommen revolutioniert. Hart genommen hat Firebase Google Analytics als Webanalyse Tool für Apps ersetzt: Neues Tool, neue GTM Version, neues Service SDK. Alles neu und weg von Google Analytics!

Der Schwerpunkt von Firebase Analytics sind Ereignisse: Google stellt dazu zahlreiche Standard Events zur Verfügung (oha! so wie bei gtag.js) – und es können zusätzlich bis zu 500 benutzerdefinierte Events implementiert werden (äh – warum nur 500?).

Auch die grafische Oberfläche von Firebase spiegelt sich mittlerweile in Google Analytics wieder: Der Homescreen, die Navigation, die Schreibweise beim Event Tracking…

Firebase Analytics Dashboard

Screenshot: Firebase Analytics Dashboard

Da schaut sich Google Analytics wohl einiges von Firebase ab…

Die wohl größte Veränderung durch Firebase Analytics, ist die Verwendung des Google Tag Managers: Denn der GTM for Mobile V2 ist kein Stand-alone Produkt mehr sondern baut auf der Syntax von Firebase auf. D.h. er mit mit der Firebase SDK ganz einfach mit installiert…

Und genau diese Veränderung könnte es (ist es derzeit aber nicht!) mit gtag.js und dem GTM in Zukunft ebenfalls geben: Der GTM wird direkt über den gtag.js Basistracking Code mit implementiert. Ob dataLayer-push oder gtag() im Code verwendet wird, ist dann egal – es ist das selbe! 

Das vereinfacht nicht nur die Integration ganz enorm, sondern bietet auch die Möglichkeit Daten sowohl an Firebase als auch an Google Analytics (und später an jedes andere Google Produkt) zu senden – wie ich 2016 schon für meinen Firebase Vortrag am MeasureCamp #9 sehr schön dargestellt habe:

Google Tracking Code in Zukunft

Screenshot: Google Tracking Code in Zukunft, Quelle: Slideshare, e-dialog

Hinweis: Aufgrund meiner Grafik könnte man fälschlicherweise annehmen, dass gtag.js den GTM ersetzen könnte. Das ist nicht der Fall! Denn gtag.js verfügt und wird vermutlich nie, über eine grafische Oberfläche verfügen. Außerdem können mit gtag.js auch nur Google Produkte angesteuert werden. Mit dem GTM können hingegen auch third-party Tags implementiert werden.

gtag.js vs. analytics.js: Umsteigen oder nicht?

Ähnlich wie bei Firebase, empfiehlt Google natürlich früher oder später auf gtag.js umzusteigen, da neue Features nur noch für gtag.js bereitgestellt werden.

ABER: Nachdem es bisher noch keine offizielle Ankündigung seitens Google gab (weder im GA Blog, noch in den Blogs von Krista Seiden oder Justin Cutroni) und gtag.js außerdem noch in Beta ist, ist eine Umstellung erst später erforderlich. Denn vermutlich wird es in der nächsten Zeit noch viele Änderungen an der neuen gtag-Bibliothek geben (und man muss ja nicht überall von Anfang an mitmachen)…

D.h. zum jetzigen Zeitpunkt (27.11.2017) bleibt alles wie bisher.
Und irgendwann Mitte nächstes Jahres (Google wird es uns dann verraten), kannst du dich ganz in Ruhe auf den Umstieg vorbereiten: Egal ob von urchin.js, ga.js oder analytics.js auf gtag.js. Und ebenfalls egal ob nativ implementiert oder via GTM: Denn ein Umstieg erfordert eine Überarbeitung deiner gesamten, aktuellen Tracking Strategie.

Hinweis: Auch wenn du nächstes Jahr noch nicht umsteigst, Google wird analytics.js noch sehr, sehr lange unterstützen. Denn obwohl urchin.js gefühlt schon 100 Jahre alt ist, unterstützt Google auch diese Bibliothek immer noch. Genauso wird es also vermutlich für ga.js, analytics.js und die Bibliotheken aller anderen Google Produkte auch sein.

Auf in die Zukunft mit gtag.js

Obwohl ich am Anfang dieses Blogartikels noch sehr skeptisch auf gtag.js geblickt habe und voller Verzweiflung an die anstrengende Migrations-Arbeit dachte: Nach diesem Blogartikel ist die Freude auf den Umstieg gigantisch.

gtag.js wird nicht nur die Tracking Code Implementierung ALLER GOOGLE PRODUKTE vereinfachen und vereinheitlichen, auch die Tracking Möglichkeiten steigen: Was heute noch mit mühsamen Workarounds “schirch” implementiert wird, wird zukünftig “schön” lösbar sein (und das erfreut Tekki-Herzen). Auch die Analyse Möglichkeiten werden sich verändern: Ereignisse sind ein erster Schritt in diese Richtung. Ich denke aber, da kommt noch viel mehr.

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