Absprung vs. Ausstieg: Das ist der Unterschied9 min Lesezeit

Michaela Linhart Leave a Comment

Obwohl Absprung und Ausstieg zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe sind, werden sie oft verwechselt: Das ist kein Wunder, denn gemeinsam betrachtet, kann es schon mal komplex werden. Deswegen vereinfachen wir das jetzt…

Die Absprungrate findest du in fast allen Google Analytics Standardberichten: Sie ist eine der wichtigsten Metriken in den Verhalten-Reports und gehört auch zu den Engagement-Metriken.

Die Absprungrate bezeichnet nüchtern betrachtet, dass Verhältnis zwischen Einstiegen und Absprüngen (Bounces). Nicht mehr und nicht weniger. Das Missverständnis entsteht erst bei der Interpretation der Absprungrate, wenn diese total oder auf einzelne Seiten bezogen betrachtet und häufig mit der Ausstiegsrate verwechselt wird.

Ausstieg: Tschüss und bis bald

Ein Ausstieg (Exit) findet immer auf der allerletzten Seite eines Besuchs statt: Der User verlässt deine Website. Beispielsweise indem er den Browser schließt, eine neue Website ansurft oder die Sitzung nach 30 Minuten Inaktivität automatisch beendet wurde.

Google Analytics Ausstieg

Screenshot: Google Analytics Ausstieg

Die Ausstiegsrate (% Exit) gibt daher an, wie viel Prozent der User deine Website auf einer bestimmten Seite verlassen haben. Sie ist Seiten-bezogen.

Eine hohe Ausstiegsrate muss auf keinen Fall negativ sein: Einerseits kann es natürlich bedeuten, dass der Inhalt einer Seite zu wenig attraktiv war und User deine Website deswegen verlassen haben.

Andererseits kann es auch bedeuten, dass User auf dieser Seite die gewünschte Information gefunden und deswegen zufrieden verlassen hat. Das ist z.B. auf der Termine Seite des Bioweinguts Arkadenhof Hausdorf der Fall (siehe Screenshot oben). Die Termine-Seite bietet eine Übersicht aller heutigen, zukünftigen und vergangenen Termine inkl. Datum, Uhrzeit und Ort. Sucht ein User nach genau diesen Kriterien, braucht er die Termin-Detailseite gar nicht mehr zu öffnen. Er hat gefunden wonach er sucht und verlässt die Website. Und das ist auch völlig okay.

hausdorf.at Termine Übersicht

Screenshot: hausdorf.at Termine Übersicht

Auch die Danke-Seite nach einer Transaktion weist häufig eine hohe Ausstiegsrate auf: Der User hat gekauft und „verlässt zufrieden das Geschäft“Tschüss und hoffentlich bis bald, würden wir am POS sagen. 

Bei der Ausstiegsrate muss daher immer die einzelne Seite und der Kontext genau betrachtet werden.

Absprung: User kommen und gehen

Ein Absprung (Bounce) ist da schon spektakulärer: Auch hier verlässt der User deine Website – hatte dabei aber nur eine einzige Interaktion, nämlich den Pageview.

Google Analytics Absprung

Screenshot: Google Analytics Absprung

Es sind also User, die auf deine Website gekommen sind und diese SOFORT wieder verlassen haben – ohne sich auch nur eine zweite Unterseite besucht zu haben. Sie kommen und gehen…

Bouncer haben auch immer eine Sitzungsdauer von null Sekunden, da nach dem ersten keine weiteren Treffer erzielt wurden, mit denen die Berechnung der Sitzungsdauer in Analytics möglich wäre. Ob diese User den Content auf der Einstiegsseite aber zehn Minuten lang lesen oder wirklich innerhalb weniger Sekunden abgesprungen sind, kann in einer Standard-Implementierung von Google Analytics nicht gesagt werden…

Die Bouncerate ist daher der Anteil der Besucher, die auf deiner Seite eingestiegen und SOFORT wieder abgesprungen sind.

Eine hohe Absprungrate weist also darauf hin, dass die meisten User kein Interesse an deiner Website hatten. Eine gute Website hat daher eine niedrige Absprungrate…

Das ist aber nur die halbe Wahrheit…

Die Absprungrate in Google Analytics

Ein Blog wie die ANALYTICSkiste wird vermutlich immer eine höhere Absprungrate aufweisen als der Onlineshop vom Bioweingut: Denn User kommen gezielt auf einen Blogartikel, lesen den Beitrag und springen wieder ab. Das Nutzererlebnis war jedoch keinesfalls negativ.

Google Analytics Zielseiten Report

Screenshot: Google Analytics Zielseiten Report von ANALYTICSkiste

Andersrum sollten die Landingpages des Biowein Onlineshop keine höhere Bouncerate als mein Blog aufweisen, denn hier sollen User ganz gezielt durch das Angebot schnuppern, interessante Weine durch klicken, Produktinformationen lesen und dann natürlich kaufen… Haben viele User nur einen einzigen Seitenaufruf, entspricht das Angebot nicht den Erwartungen der User: Sie kommen zwar auf die Website, springen aber sofort wieder ab.

Die Absprungrate hängt also von vielen verschiedenen Faktoren ab, etwa

  • dem Website-Typ (Blog vs. Onlineshop),
  • der Branche,
  • dem Seiten-Typ (Landingpage vs. Startseite),
  • der Relevanz,
  • der Quelle, von wo aus der Traffic gekommen ist,
  • dem Gerätetyp (Mobil vs. Desktop)
  • usw.

Deswegen muss sie in Goolge Analytics auch aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden:

In der Zielgruppe → Zielgruppenübersicht findest du die Absprungrate für die gesamte Website. Ist deine Gesamtabsprungrate hoch, solltest du deine Daten weiter aufschlüsseln um herauszufinden, ob sie einfach generell hoch ist (z.B. bei einem Blog) oder andere Faktoren wie z.B. eine Kampagne, eine Landingpage, ein Marketing-Kanal Einfluss darauf haben (z.B. Onlineshop).

Google Analytics Zielgruppen Übersicht

Screenshot: Google Analytics Zielgruppen Übersicht

Im Channels-Bericht unter Akquisition → Alle Zugriffe → Channels findest du die Absprungrate je Marketingkanal: Weist ein bestimmter Channel eine hohe Absprungrate auf, könnte eine Kampagne, eine bestimmte Anzeige oder auch eine Landingpage dafür verantwortlich sein. Möglicherweise ist deine Trafficqualität schlecht und dein Angebot für diese User nicht relevant genug. Oder du solltest deine Audience-Gruppen weiter einschränken, damit du genau die User erreichst, die sich für dein Angebot interessieren. In beiden Fällen solltest du deine Kanäle und Kampagnen genauer analysieren und dir die Bouncerate auch für jede Kombination aus Quelle und Medium im Detail anschauen. Hier liegt viel Optimierungspotential!

Google Analytics Channel Report

Screenshot: Google Analytics Channel Report

In den Content-Berichten unter Verhalten → Websitecontent → Alle Seiten / Zielseiten findest du die Absprungrate je Seite deiner Website. Speziell die Zielseiten (Landingpages) sind für die Analyse deiner Kampagnen interessant: Ist die Absprungrate nur für Seite X hoch, spielen Kampagne und Landingpage womöglich nicht gut zusammen.

Ein anderes Problem könnte technischer Natur sein: Beispielsweise wenn User die weiteren erforderlichen Schritte nicht ausführen können z.B. weil der Warenkorb-Button nicht funktioniert. Deine User probieren zwar mehrmals ein Produkt in den Warenkorb zu legen, springen aber ab weil deine Website ein technisches Problem aufweist.

Auch bei steigenden Anteil an mobilen Traffic steigt die Absprungrate häufig, weil die Website auf dem Smartphones möglicherweise zu lange Ladezeiten aufweisen.

Google Analytics Zielseiten Report

Screenshot: Google Analytics Zielseiten Report

Die Gründe für hohe Absprungraten sind also Vielfältig. Die Aufgabe des Webanalysten besteht darin, herauszufinden was eine gute und was eine schlechte Absprungrate für die eigene Website, das eigene Unternehmen bedeutet.

Absprungrate: Was ist gut? Was schlecht?

Allgemein als Faustregel und ohne Betrachtung von Kontextfaktoren kann man sagen, dass eine Absprungrate über 80% negativ ist und die Website optimiert werden sollte: Egal welche Website.

Kissmetrics hat die Absprungrate auf Industrie-Ebene herunter gebrochen: Befindet sich deine Website in dieser Absprung-Range ist alles bestens.

  • Onlineshops: 20-40%
  • Landingpages: 70-90%
  • Portale: 10-30%
  • Service Seiten z.B. FAQ: 10-30%
  • Content Seiten: 40-60%
  • Lead Generierung: 30-50%

Ich meine: Es ist gut wenn man Werte zum Vergleichen hat und zumindest ungefähr den Industrie-Standard kennt. Trotzdem würde ich die Absprungrate (und generell alle Metriken) immer auch im eigenen Vergleich analysieren: Wie gut bin ich heute und wie gut war ich vor 2 Monaten, 6 Monaten, einem Jahr? Wie verändert sich die Bouncerate im Zeitverlauf?

GA Channel Report - Absprungrate im Zeitverlauf und Jahresvergleich

Screenshot: GA Channel Report – Absprungrate im Zeitverlauf und Jahresvergleich

Und wie verhalten sich einzelne Werte im Vergleich zum Website-Durchschnitt?

Google Analytics Channel Report - Absprungrate im Vergleich zum Website Durchschnitt

Screenshot: GA Channel Report – Absprungrate im Vergleich zum Website Durchschnitt

Außerdem solltest du zusätzlich zur Absprungrate immer auch weitere Engagement-Werte auf deiner Website messen und betrachten.

Die Scrollrate ist dafür ideal: So kannst du das Scroll-Verhalten via Event Tracking einbinden und analysieren wie weit User auf deiner Website scrollen. Setze dabei den Non-Interaction Event-Parameter auf true, damit User die scrollen automatisch nicht mehr als Bouncer erfasst werden. Ist die Website für deine User interessant, wird sich deine Bouncerate zusätzlich erheblich verbessern.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an…

Absprung vs. Ausstieg: Ein Beispiel

 

Google Analytics Absprung vs Ausstieg Beispiel

Screenshot: Google Analytics Absprung vs Ausstieg Beispiel

Wie sieht die Absprung- und Ausstiegsrate für Seite 1 aus? (Zuerst raten, dann die Lösung lesen. 🙂 )

Die Absprungrate liegt bei 50%: Zwei User sind auf der Startseite vom Bioweingut Arkadenhof Hausdorf eingestiegen. User #1 hat die Website sofort wieder verlassen – ohne weiterer Interaktion. Der zweite User ist weiter gegangen und hat sich das Angebot vom Teaser im Detail angesehen.

Die Ausstiegsrate liegt ebenfalls bei 50%: Der Absprung von User #1 war gleichzeitig auch sein Ausstieg.

Wie sieht die Absprung- und Ausstiegsrate für Seite 2 aus?

Sowohl die Absprung- als auch die Ausstiegsrate liegen bei 0%: User #2 hat die Seite aufgerufen und ist auch zur nächsten Seite gesprungen.

Wie sieht die Absprung- und Ausstiegsrate für Seite 3 aus?

Die Absprungrate liegt hier bei 0%: Kein User ist eingestiegen. Denn ein Einstieg wird immer nur der allerersten Seite eines Besuchs zugesprochen. War der User davor auf einer anderen Seite, ist er nur weiter gegangen – nicht aber eingestiegen.

Springt er nun ab, betrifft das auch nur noch die Ausstiegsrate, nicht etwa auch die Absprungrate.

--> Kein Absprung ohne Einstieg!

Die Ausstiegsrate liegt bei 100%: User #2 hat die Website verlassen.

Absprung vs. Ausstieg: Ab jetzt nie mehr verwechseln

Einfacher ist es, die beiden Metriken getrennt voneinander zu betrachten:

Möchtest du wissen wie gut deine Landingpage, Kampagne, etc. performt, zieh dir die Absprungrate zur Hilfe – am besten in einem Custom Report.

Möchtest du wissen wie viele User auf einer Website ausgestiegen sind, schau dir zuerst die Einstiege im Vergleich zu den Ausstiegen an. In weiterer Folge kannst du dir auch noch die Absprungrate dazu holen. Aber: Getrennt voneinander, damit die Metriken nicht verwechselt werden können.

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