Zu Gast bei #dsmdm: Wie du als Webanalyst viele verschiedene Websites im Blick behältst13 min Lesezeit

Michaela Linhart Leave a Comment

Letztes Monat hatte ich die großartige Möglichkeit im Webanalyse Podcast von Maik Bruns aufzutreten. In “Die Sendung mit der Metrik” (#dsmdm) liefert Maik Webanalyse Strategien und Ideen und interviewt dazu Branchenbekannte Webanalysten und Consultants.

Diesmal durfte ich Maiks Gast sein, zum Thema “Wie du als Webanalyst viele verschiedene Websites im Blick behältst”: Ein hoch spannendes Thema mit dem ich mich bei Women’s Best gerade intensiv beschäftige – und glücklicherweise bei e-dialog schon jede Menge Erfahrungen sammeln konnte.

Die Sendung mit der Metrik #6 Teaser

Foto: Die Sendung mit der Metrik #6 Teaser

Was ich Maik im Podcast alles erzählt habe, kannst du hier oder auf der Website von #dsmdm anhören. Eine Zusammenfassung findest du im folgenden.

Wie du als Webanalyst viele verschiedene Websites im Blick behältst

Was bedeutet “viele verschiedene Websites”? Damit sind nicht 2 Webshops, sondern 20 gemeint. Oder ein Portal, dass in 40 verschiedenen Ländern betrieben wird. Oder verschiedene Brands, Verticals und Projekte wie Blogs, Shops, Programme, etc. Etwas größer betrachtet können es auch verschiedene Firmen sein, die in verschiedenen Ländern agieren und in einem Mutterkonzern zusammengefasst sind.

→ Viele verschiedene Websites bedeutet also 5+ verschiedene Websites als Webanalyst dauerhaft im Blick zu behalten.

Je mehr Websites oder Webprojekte in der Webanalyse betreut werden sollen umso komplexer wird natürlich die Handhabung: Vom technischen Einbau bis hin zum Reporting gibt es einige Hürden zu meistern.

Das schöne: Es gibt jede Menge Tricks um sich den Überblick über viele verschiedene Websites zu vereinfachen.

Und über diese habe ich mit Maik im Podcast geplaudert, sowie im folgenden für dich zusammengefasst.

Viele Websites? Nichts geht ohne Konzept!

Mal schnell Google Analytics auf den Websites implementieren und dann geht’s so richtig los mit Webanalyse! Das spielt es leider nicht! 🙁 Weder bei einer Website und schon gar nicht bei vielen!

Was es braucht ist ein Konzept!

Sowohl ein detailiertes, operatives Tracking- und Umsetzungskonzept: Was will ich eigentlich analysieren? Was sind meine Business Requirements? Kann ich die Requirements technisch und im Tool umsetzen? Und worauf muss ich dabei achten?

Als auch einen strategischen Plan, der beantwortet wozu Daten überhaupt erhoben werden und was das eigentliche Ziel mit den Daten ist. Werden Daten nur gesammelt, weil es gerade In ist und jeder davon spricht? Landen die Daten nach der Erhebung ohnehin nur im Webanalyse Tool und keiner schaut sie je wieder an? Oder soll tatsächlich und aktiv Kampagnen verbessert, Conversion Optimierung durchgeführt, etc. werden?

Leider werden Konzepte, Pläne und Strukturen oft Stiefmütterlich behandelt. Viel zu viel Aufwand! Zach… wie man so schön auf Tirolerisch sagt. Das Ergebnis: Es werden nicht die Daten gesammelt, die eigentlich benötigt sind. Und im worst-case sind die Daten aus dem Analysetool nicht korrekt, weil die Tracking Codes nie richtig eingebaut wurden. Folglich werden falsche Daten erhoben, falsche Daten analysiert und falsche Maßnahmen abgeleitet. Ziele können so natürlich nie erreicht werden…

Deswegen: Zuerst die Planung und das Konzept. Danach die Umsetzung. Und danach mit korrekten, adäquaten Daten arbeiten. Damit ist schon mal viel gewonnen!

Viele Websites? Auch das Webanalyse Tool braucht ein Konzept!

Egal ob Google Analytics, Webtrekk, Piwik oder sonstiges Analysetool. Auch das Account Konzept des Webanalyse Tools muss vorab konzipiert werden – insbesondere wenn viele Websites im Spiel sind.

Werden alle Daten in einen Account und jede Brand, Vertical, etc. in eine eigene Property getrackt? Oder soll pro Brand ein eigener Account angelegt werden? Wie sehen die Datenansichten pro Property aus?

Dabei kommt es natürlich ganz darauf an, welches Tool im Einsatz ist (Google Analytics free vs. 360), wie später analysiert werden möchte und welchen Limits man dabei ausgesetzt ist.

Best Practice Tipp für Google Analytics User:

  • Üblicherweise pro Firma ein Account
  • Üblicherweise pro Website eine Property
  • Üblicherweise pro Property eine Analyse Datenansicht, eine Test Datenansicht, eine Backup Datenansicht.
Google Analytics Account Setup - Best Practice

Grafik: Google Analytics Account Setup – Best Practice

Jedoch macht es manchmal Sinn, Websites in einer Property zusammenzufassen z.B. wenn Websites aus Europa und International gemeinsam analysiert werden sollen. Dadurch können auch Google Analytics Free User sogenannte “Rollup Properties” (in dem Fall Rollup Datenansichten) nutzen.

Google Analytics Account Setup - Beispiel 1

Grafik: Google Analytics Account Setup – Beispiel 1

Manchmal macht es aber auch Sinn, nur eine einzige Google Analytics Property zu nutzen um so Website-übergreifende Analysen durchführen zu können – ohne Rollup Property. Das geht jedoch nur dann, wenn weniger als 25 Datenansichten pro Property gebraucht werden: Ein Limit von Google Analytics.

Google Analytics Account Setup - Beispiel 2

Grafik: Google Analytics Account Setup – Beispiel 2

Und manchmal macht es auch Sinn, einfach beides aufzusetzen z.B. wenn man sich GA360 wünscht aber nur GA free nutzt… Der Implementierungsaufwand ist geringfügig mehr und Websites können sowohl einzeln als auch gemeinsam betrachtet werden.

Google Analytics Account Setup - Beispiel 3

Grafik: Google Analytics Account Setup – Beispiel 3

Allerdings gibt es auch hier zahlreiche Limits. Beispielsweise können max. 50.000 unique URLs pro Tag verarbeitet bevor sie unter (other) zusammengefasst werden. Und es werden max. 10.000.000 Hits/Monat garantiert erfasst. usw.

Viele Websites mit Google Analytics als Tool

Das Webanalyse Tool sollte bei den Unternehmens Zielen auf jeden Fall unterstützend wirken: Google Analytics bietet zum Beispiel jede Menge Standard Features und Reports die Helfen die Unternehmens Ziele zu messen, zu verfolgen und zu optimieren.

Sollte es ein Feature oder einen Report im Tool nicht geben z.B. die Add-to-Cart Reihenfolge, die Conversion Rate auf User Basis, etc. dann kann sich mit Custom Dimensions und Custom Metrics, Calculated Metrics oder Custom Reports weitergeholfen werden.

Ein klarer Pluspunkt für Google Analytics, denn es ist ganz wichtig, dass das Webanalyse Tool auf die Unternehmens-Bedürfnisse anpassen werden kann. Anders würden die spezifischen Unternehmens-Ziele auch gar nicht erreicht werden können.

Dankbare Unterstützung durch den Google Tag Manager

Egal ob eine Website oder 37: Mit dem Google Tag Manager geht alles viel einfacher! Und gerade wenn mehrere Websites im Einsatz sind, lässt sich das Tracking mit dem GTM extrem vereinfachen.

Warum?

Maik hat die Vorteile des Google Tag Managers im Podcast wunderbar zusammengefasst:

Der Einsatz des GTM ist schnell skalierbar, weil man schnell und zu einem guten Teil ohne IT auskommst, die dann nur mehr partiell eingreifen muss. Das beschleunigt unglaublich viel, schafft Unabhängigkeit und Flexibiliät.

Bisher habe ich alles über den GTM tracken können, was angefordert wurde (und das läppert sich im Laufe der Jahre) – bis auf Enhanced Ecommerce, weil da meist nicht alle Daten im Frontend zur Verfügung stehen.

Dazu muss der Basis Tracking Code nur einmal auf allen Seiten der Websites implementiert werden und schon kann Google Analytics, AdWords Conversion Pixel, Doubleclick Floodlight Tags aber auch jegliche Third-Party Tags wie das Facebook Conversion Pixel auf der Website eingebunden werden. Ohne dass ein einziges weiteres Event von der IT im Quellcode implementiert werden muss.

Unabhängigkeit bringt Schnelligkeit und Flexibilität.

Google Tag Manager: Lebensnotwendig für das Setup vieler verschiedener Websites

Screenshot: Google Tag Manager – Lebensnotwendig für das Setup vieler Websites

Und gerade wenn Unternehmen viele Websites betreuen, kann der GTM das Setup und die laufende Wartung erheblich reduzieren. Vorallem dann wenn Websites ähnlich aufgebaut sind, der gleichen Struktur folgen und sich auf die gleichen Ziele konzentrieren.

Ist das der Fall kann ein einziger GTM Container für alle Websites eingesetzt werden. Die Unterscheidung in welche Google Analytics Property die Daten fließen, kann über eine Variable und die Unterscheidung via Hostname gemacht werden. In welche Google Analytics Dataview die Daten fließen, über einen Datenansichtsfilter direkt in GA.

Google Tag Manager - Aufwändiges Setup

Grafik: Google Tag Manager – Aufwändiges Setup

Und voila: Statt X gleichen Setups und X gleichen GTM Containern ist das einmalige Setup und die laufende Wartung auf einen einzigen GTM Container reduziert. Das reduziert Arbeit maßgeblich! Mega geil!

Google Tag Manager - Setup- und Wartungsfreundliches Setup

Grafik: Google Tag Manager – Setup- und Wartungsfreundliches Setup

Aber Achtung: Das geht nur, wenn die Websites ähnlich aufgebaut sind, der gleichen Struktur folgen und sich auf die gleichen Ziele konzentrieren.

Meine GTM Empfehlung: Wenn der GTM noch nicht genutzt wird, dann sollte besser früher als später auf diesen umgestellt werden. Es lohnt sich! Wirklich!

Reporting? Sicher nicht ohne Automatisierung!

Gerade bei viele, vielen Websites finde ich es unmöglich Reports händisch zu verschicken: Gestartet wird immer klein. Zuerst wünscht sich der Chef nur täglich einen Ecommerce Report. Dann auch einen wöchentlichen Traffic Report. Und das ganze im Monatsvergleich natürlich auch noch. Danach wünscht das Social Media Team wöchentlich einen Traffic Report je Social Media Plattform. usw. usw. usw.

Und schon sitzt der Webanalyst da und bereitet jeden Tag 10 Reports vor, die an immer andere Personen verschickt werden sollen.

Nicht nur das dies einen Haufen Zeit kostet. Was ist wenn man einmal krank ist? Oder auf Urlaub? Oder einfach darauf vergisst?

Deswegen finde ich es extrem wichtig Reports zu automatisieren: Mit ein bisschen Design Gefühl, der Anleitung von Johannes Mehlem (im ersten Podcast mit Maik Bruns) und etwas Zeit können mit Google Spreadsheets super schicke Reports gebastelt werden.

Und diese können mit meinem kostenlosen “Schedule & Send Email Report” Plugin für Spreadsheets wunderbar automatisiert werden. Damit können X Reports an X verschiedene Personen vollkommen automatisiert verschickt werden: täglich, wöchentlich, monatlich und sogar jährlich.

Google Spreadsheet Plugin für Report Automatisierung

Logo: Google Spreadsheet Plugin für Report Automatisierung

Der Vorteil: Ein sauberes Setup und danach muss sich theoretisch nie wieder um die Reports gekümmert werden. Wobei: Natürlich sollten diese ab und an kontrolliert werden. Und ein guter Webanalyst fügt auch immer Kommentare und Interpretationen ein…

Mein Tipp: Die Reports schicke ich mir auch immer selber, damit ich sofort erkenne, wenn irgendwo, irgendwas schief läuft…

Das Geheimnis einer guten Webanalyse…

… ein gutes Team! Menschen die gerne zusammenarbeiten, miteinander reden und gemeinsame Ziele verfolgen. Nichts geht über ein starkes Team: Egal ob Webanalyse oder eine andere Disziplin. Menschen sind der Schlüssel zum Erfolg.

… ein Chef, der die Wichtigkeit der Webanalyse versteht. Wenn ich etwas in meinen 2,5 Jahren Agentur-Dasein gelernt habe dann, dass Webanalyse Chefsache ist.

Wenn der Chef kein Interesse an Daten hat, wird kein einziger Mitarbeiter je Ressourcen für Webanalyse frei haben. Dasselbe gilt auch für Conversion Optimierung und alle anderen Disziplinen die nicht direkt auf den Erfolg des Unternehmens (oder den Umsatz) einzahlen. Das ist leider so.

Aber zum Glück haben Chefs in der Regel ein gutes Gespür für das Wesentliche und das ist immer mehr Webanalyse und Daten-getriebenheit. 🙂

Klassische Webanalyse Probleme – und wie man sie angeht

Egal ob eine oder X-beliebige Websites, gerade in der Webanalyse können wir Lieder von den vielen Herausforderungen singen, die es zu bewältigen gibt. Hier meine Top 3 aus 3 Jahren Webanalyse Erfahrung.

1.) Die IT hat zu wenige Ressourcen. Ein riesen Thema! Ein leidendes Thema! Ein nervendes Thema!

Auch wenn rund 90% der Tracking Requirements über den GTM umgesetzt werden können, Enhanced Ecommerce wird wohl immer über die IT eingebaut werden müssen. Und dabei ist Ecommerce eines der wichtigsten Themen überhaupt in der Webanalyse.

In diesem Fall gibt es nur eines: Dran bleiben, nach laufen und bei jeder Gelegenheit die Wichtigkeit von Webanalyse vorbringen. Oder: Einen ITler auf deine Seite holen und durch gegenseitige Unterstützung ein starkes Team aufbauen.

2.) Die Betreuung vieler Websites benötigen einen Projekt Manager. Jemanden der den Overall Überblick behält und zu jedem Zeitpunkt weiß wo, was, wie, wann passiert.

Sind mehrere Länder involviert, bietet es sich an aus jedem Land einen Projekt Manager einzusetzen und zusätzlich einen Overall Verantwortlichen zu haben.

In KMUs fungiert meist der Webanalyst als Projekt Manager, der sich darum kümmert das alle Websites gut betreut sind.

3.) Lieber ein bisschen zuviel als zuwenig! Mein Motto, dass sicherlich nicht das beste ist und kein Consultant jemals empfehlen würde. Erfahrungsgemäß kann der Webanalyst dadurch aber am besten Punkten.

Natürlich braucht man die Wetterinformationen nicht von Anfang an im Webanalyse Tool. Aber später kommt vielleicht einmal die Frage aus der Chef Etage, ob das Wetter Einfluss auf die Conversion Rate hat. Und dann ist es gut, diese Daten bereits erfasst zu haben und die Antwort liefern zu können.

Das bedeutet nicht, dass ALLES erfasst werden muss, was einem einfällt… Es sollte sich im Rahmen halten und zum Konzept passen. Technisch sollte der Einbau einfach und selber vorgenommen werden können (via GTM) und nicht die Ressourcen der IT strapazieren.

Aber mit Sicherheit schlummert die eine oder andere Idee im Webanalysten, die der Chef so noch nicht bedacht hat und mit der man zum geeigneten Zeitpunkt sehr gut punkten kann… 🙂

Viele Websites im Einsatz? Meine 3 wertvollsten Tipps

Zusammengefasst kann ich also sagen, dass das Betreuen vieler Websites sehr anspruchsvoll und herausfordernd sein kann. Deswegen ist die Konzeption und das Projektmanagement enorm wichtig. Und zum Glück gibt es tolle Tools wie Google Analytics unter Einsatz des Google Tag Manager die Webanalysten bei ihrer Arbeit maßgeblich unterstützen. Dazu automatisierte Reports und es kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. 🙂 

Hier zum Abschluss meine 3 wertvollsten Tipps für den Einsatz vieler Websites zusammengefasst:

  1. Nutze den GTM. Ein Container für X Seiten bedeutet ein Setup (statt X) und viel einfachere Wartung. Man erspart sich Implementierungsaufwand und schont ganz nebenbei die Ressourcen der immer ausgelasteten IT. → Der GTM ist ein Must-Have beim betreuen mehrere Websites.
  2. Automatisiere deine Reports. Das erspart Arbeit und hilft sich auf das wesentliche zu konzentrieren: Geniale Insights aus den Webanalyse Tool zu extrahieren. Wer Reports mit Google Spradsheets macht kann dazu mein kostenloses “Schedule & Send Email Plugin” nutzen.
  3. Nutze Custome Alerts in GA. Es ist fast unmöglich jeden Tag in alle GA Accounts hineinzuschauen und zu kontrollieren ob alles passt. Dramatisch sind Tracking Ausfälle, weil sich plötzlich etwas auf der Website geändert hat. Oder Transaktions Ausfälle weil ein Button auf der Website nicht mehr funktioniert. Da heißt es sofort drauf zu kommen und das geht mit Custom Alerts am einfachsten, schnellsten und besten.

Danke Maik, für die Einladung in deine Sendung und das spannende Gespräch. Ich hoffe, unsere Zuhörer können einiges daraus mitnehmen und wir freuen uns beide über Likes, Shares und Kommentare. :-))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.